Dr. Gitta Heil über Winfried Wunderlich

Es ist ein altes Handwerk, die Glasschmelze. Wo sich der Glasfluss in die vom Künstler bestimmte Form begibt. Virtuos sind seine Andeutungen, Fragmentarisches bleibt im Gefilde des Mediums eingeschlossen. Dabei dringen, der immerfort währenden Transparenz wegen, Botschaften nach außen.
Das Glas gibt von der Schmelze über den Weg der allmählichen Erstarrung die technisch versiert vorgetragenen, facettenreichen, figurativen, physiognomischen, linearen, perligen Einschlüsse preis. Im Schmelzverfahren entstehen Glasobjekte und Plastiken. Das Glas mit seiner Eleganz, seiner Zartheit ist doppelt beseelt.
Es kommt dick- oder dünnwandig, hohl oder kompakt, uni oder mit farbigen Einschlüssen daher, bestenfalls innig verschmolzen. So entstehen skurrile Spontanitäten, gebaute Glasobjekte, Gestaltetes in Glas. Erfühltes mündet in Warnungen, Erlebtes wandelt sich zu geschmolzener erinnerungsschwere Sehnsucht und ist zugleich Ansatz zum Streitbaren. Jegliche Gestaltung ist gespeist von Kenntnis und Erfahrung. Die Hochschule prägte sein Formempfinden, das Leben die Inhalte. Vom architekturgebundenen Glas, Glas im Objekt, Glas im Raum, Glas als Schmuck, spannt sich der Gestaltungsbogen seiner vielfältigen künstlerischen Möglichkeiten und Ausdrucksweisen. Hilfreich sind dabei Studioglasofen oder Varianten mit Diamantgravur auf Überfangglas oder die gläserne Installation. Es treten spektralfarbengleich, lichtdurchflutete formgebundene Inhalte mit narrativen Wirkungen zutage.

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Dr. Gitta Heil
Kunstwissenschaftlerin